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Billard Karambol - Dreiband - Weltmeisterschaft - Randers (DEN)

Blomdahl’s Wiedergeburt als Weltmeister 2019!

Gepostet von am 1. Dezember 2019

Blomdahl’s Wiedergeburt als Weltmeister 2019!

Kozoom Studio
Torbjörn Blomdahl gewinnt die 72.Weltmeisterschaft in Dreiband in Randers

RANDERS - Der neue Weltmeister im Dreiband heisst Torbjörn Blomdahl! Aus seinem Mund klingen die Worte wie eine Hymne. Im Siegerinterview sagte er: „Man ist so alt, wie man sich fühlt!“. 

Bei der Europameisterschaft in diesem Jahr in Brandenburg gab es so manche Prognosen, welcher Spieler wohl als erstes seine Karriere beenden wird. Der Name Torbjörn Blomdahl wurde in diesem Zusammenhang genannt. Nur wenige Wochen später sagte Dick Jaspers zu der gleichen Frage: „Man sollte vorsichtig sein. Blomdahl kann immer noch jedes Turnier gewinnen!“

Und gestern passierte es! Die schwedische Nationalhymne spielte zu Ehren des neuen Weltmeisters, Der 80-jährige Vater von Torbjörn Blomdahl, Lennart Blomdahl, stand auf der Tribüne und die Zuschauer im überfüllten Kulturzentrum von Randers bejubelten einen Champion, der Mühe hatte, seine Emotionen zu kontrollieren. Wer hätte das gedacht, dass Torbjörn Blomdahl sich erneut die Krone im Dreiband aufsetzen kann. In einer Zeit, in der die großen Champions mit vielen jungen Talenten einen harten Kampf ausfechten. 

Der einzige, der es am Samstag vermochte, den neuen Champion zu gefährden, war der 38-jährige Vietnamese Duc Anh Chien Nguyen, ein Newcomer, der sich anschickt zu einem gefürchteten Konkurrenten der nächsten Jahre zu werden.

Das Finale begann für Blomdahl optimal. Schnell holte er sich eine komfortable Führung: 14:0, 16:2 und 22:3. Doch jeder, der den Vietnamesen Duc Anh Chien Nguyen schon einmal gesehen hat, wird wissen, dass er niemals aufgibt und immer weiter kämpfen wird. Das musste auch Blomdahl nach der Pause erleben. Zunächst baute der Schwede seinen Vorsprung auf 27:6 aus, aber dann plötzlich kam der Vietnamese ins Spiel und holte auf. Über 27:12, 27:18, 30:24 schaffte er nach 20 Aufnahmen den Anschluß zum 31:29. 

Die Zuschauer waren begeistert angesichts dieses Konkurrenten, der dem schwedischen Boss alles abverlangte. Würde er es wirklich schaffen, den großen Blomdahl in einem Finale um die Weltmeisterschaft zu schlagen? Nein, soweit kam es dann doch nicht. Mit 6 und 3 Punkten ging der Schwede nach 22 Aufnahmen durchs Ziel. Nguyen blieb bei 30 Punkten und hatte nun die Aufgabe 10 Punkte im Nachstoß zu erzielen. Immerhin schaffte er noch einmal 7 Punkte, doch dann war es vorbei.

Nun endlich konnte Blomdahl ungehemmt jubeln. Zum siebten Mal wurde der „alte“ Schwede neuer Einzel-Weltmeister. Auf dem Podium stand mit Duc Anh Chien Nguyen ein neuer und kommender Mann aus Vietnam. Gemeinsam auf dem dritten Platz Semih Sayginer, der damit seine Bronzemedaille aus dem Vorjahr wiederholte, und Sameh Sidhom, der seine beste WM-Platzierung erreichte.

Torbjörn Blomdahl sagte später in einer Zusammenfassung, dass er auch ein bisschen Glück in den beiden Verlängerungen während der WM hatte: „Ich brauchte auch ein bisschen Glück, sonst wäre ich ausgeschieden.“ Blomdahl’s Vater Lennart schien ihm als Zuschauer die nötige menatel Kraft zu geben, um diesen Titel zu gewinnen. „Wenn ich an die letzten Monate denke, dann weiß ich, dass es mir jetzt körperlich viel besser geht. Mein Gefühl für das Spiel ist zurückgekommen. Ich habe mehr trainiert und mich gut gefühlt.“

„Ich hatte einige Spiele mit großem Vorsprung, den ich genauso schnell wieder einbüsste. Im Finale sollte ich natürlich meinen Vorsprung gegen den Vietnamesen nicht mehr verlieren. Und doch kam er zurück und schaffte den Anschluß bis auf zwei Punkte. Zu dem Zeitpunkt habe ich schon den Stress gespürt, bin aber rechtzeitig aufgewacht. Und trotzdem war es noch nicht vorbei. 10 Punkte brauchte er im Nachstoß und erst drei Punkte vor dem Ausgleich war er geschlagen.“

Mit großem Respekt analysierte er seinen Gegner: „Ich kenne ihn schon eine Weil. Wir spielen beide mit Molinari und trainieren manchmal zusammen. Ich habe ihn schon kommen sehen, es war keine so große Überraschung. Er hat eine großartige Technik und einen goldenen Stoß. Er kann sehr gut auf Position spielen und große Serien erzielen. Er hat zwar keinen fantastischen Durchschnitt mit ca. 1,5 gespielt, aber er ist Vizeweltmeister. Das ist alles, was zählt. Am Ende bin ich froh, dass ich gewinnen konnte. Das ist diesen Vietnamesen schlagen konnte, der wirklich sehr gefährlich ist.“

Das Podium in Randers: Ngyuen, Blomdahl, Sidhom und Sayginer (v.l.)

Die Halbfinals

Torbjörn Blomdahl - Sameh Sidhom 40:18 (10)

Die Turniergeschichte des Schweden erreichte im Match gegen Sidhom einen neuen Höhepunkt. Der 32-jährige diplomierte Zahnarzt aus aus Kairo stand nach den World Games 2017 zum zweiten Mal in einem großen Halbfinale, war aber von Anfang an überfordert. Der Schwede startete mit 12, gefolgt von 6, 0 und 5 und nach vier Fehlaufnahmen von Sidhom stand es zur Pause 23:0.

„Mein wichtigster Fehler war, dass ich das Ausstoßen verloren habe, um vielleicht mit einer guten Serie zu starten.“, sagte der Ägypter in seinem Kommentar nach dem Match. Am Ende konnte Sidhom nur noch Ergebniskosmetik betreiben und verlor mit 40:18 in 10 Aufnahmen. „Ich bin jetzt wohl sehr enttäuscht, aber morgen werde ich mit meinem Turnier sicherlich zufrieden sein.“

Voller Bewunderung sprach er von Torbjörn Blomdahl. „Ich wusste, dass es ihm immer besser geht. Polychronopoulos, Blomdahl und ich haben vor einigen Wochen in Korea viel zusammen trainiert. Vormittag Training, Nachmittag und Abends Schauwettkämpfe. Was ich hier bei der Weltmeisterschaft gesehen habe, ist unglaublich. Ich habe Torbjörn seit 10 Jahren nicht ehr so gut spielen sehen, wie jetzt.“


Duc Anh Chien Nguyen - Semih Sayginer 40:36 (21)

Der Vietnamese erreichte zum ersten Mal in seiner noch jungen Karriere das Finale einer Weltmeisterschaft. Semih Sayginer, 2003 zum bislang einzigen Mal Weltmeister, war einer der besten in Randers, unter anderem durch seinen Sieg gegen Titelverteidiger Dick Jaspers. Trotzdem war er im Halbfinale nicht in Topform und musste sich dem Vietnamesen geschlagen geben. Für Duc Anh Chien Nguyen begann er Aufstieg bereits beim Weltcup in Veghel, wo er ebenfalls auf dem Podium stand und im Halbfinale gegen Haeng-Jik Kim verlor. 

In Randers übernahm Nguyen zunächst die Regie (20:13), ehe Sayginer mit 9 Punkten zum 20:22 zurück kam. Beim Stand von 33:33 gelang dem Vietnamesen dann mit 4 und 3 Punkten das Partieende, Sayginer schaffte im Nachstoß nur noch drei Punkte.

Zehn Minuten nach dem Halbfinale sagte Sayginer in seinem Kommentar: „Es war für mich ein schlechtes Spiel. Ich habe versucht alles zu geben, aber es hat nicht funktioniert. Ich ich das Spiel in den Griff bekam, war es schon zu spät. Ich hätte mit 7 ausgleichen müssen, scheiterte aber am vierten Punkt.“

„Ich bin froh, dass ich meine Position in der Weltrangliste nicht verloren habe. Und natürlich wollte ich wie alle anderen unbedingt gewinnen, aber es gibt nun mal nur einen Gewinner.“


Die 72.Weltmeisterschaft im dänischen Randers endet mit dem großartigen Sieg von Torbjörn Blomdahl, der erneut gezeigt hat, dass man ihn noch lange nicht abschreiben sollte. Der Schwede durchlebte keine leichte Zeit und musste in jüngster Zeit insbesondere gegen deutsche Spieler in den Liga-Wettbewerben einige Niederlagen wegstecken. Doch rechtzeitig zum bedeutendsten Turnier des Jahres war er in Topform und in jeder Situation Herr der Lage.

Die Weltmeisterschaft begann mit einer traurigen Nachricht. Im Alter von 77 Jahren verstarb der zweifache Weltmeister Nobuaki Kobayashi aus Japan. In den glorreichen Jahren von Raymond Ceulemans war er einer der wenigen, der dem Belgier Niederlagen bei der Weltmeisterschaft zufügte. 

Für die beiden deutschen Teilnehmer Martin Horn und Dustin Jäschke war es eine gute Weltmeisterschaft. Dustin Jäschke erreichte das gesteckte Ziel, die KO-Runde und hatte dort das Pech, erneut auf Dick Jaspers zu treffen. Jäschke ist einer derjenigen Deutschen, die in den vergangenen Wochen Torbjörn Blomdahl besiegen konnten. 

Martin Horn spielte eine sehr gute Weltmeisterschaft und scheiterte nur ganz knapp im Achtelfinale. Er gewann seine beiden Gruppenspiele, darunter gegen Dion Nelin, relativ ungefährdet. In der ersten KO-Runde besiegte er Murat Naci Coklu, bevor er dann im Achtelfinale erneut auf Dion Nelin traf. Dort war er dann auf einem guten Weg und konnte es doch nicht verhindern, dass der Däne die Verlängerung erzwang. Der verpasste Anfangsball war wohl der einzige wirkliche Fehler von Martin Horn bei dieser WM. In der Weltrangliste ist Martin Horn nun auf Platz 17 und kann beim Weltcupfinale in Ägypten in einer Woche nur gewinnen. Für den deutschen Meister stehen keine Punkte auf dem Spiel und ein guter Weltcup bringt ihn zurück in die Top14.

Die Top20 der Weltrangliste (Stand 30.11.2019)

1 - Dick Jaspers 422
2 - Eddy Merckx 344
3 - Torbjörn Blomdahl 295
4 - Marco Zanetti 282
5 - Haeng-Jik Kim 280
6 - Sameh Sidhom 255
7 - Tayfun Tasdemir 255
8 - Tran Quyet Chien 242
9 - Frédéric Caudron 234, geschorst
10 - Semih Sayginer 229
11 - Murat Naci Coklu 214
12 - Jae-Ho Cho 206
13 - Myung-Woo Cho 205
14 - Nguyen Duc Anh Chien 204
15 - Lütfi Cenet 203
16 - Jérémy Bury 193
17 - Dani Sanchez 187
18 - Martin Horn 175
19 - Roland Forthomme 175
20 - Dion Nelin 173

Der glückliche neue Weltmeister in den Armen seines Vaters Lennart Blomdahl

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Kommentare

Carambol50
Carambol50
Torbjön Blomdahl
Es ist der 6. Weltmeistertitel für Torbjörn. 1992 gab es keine Weltmeisterschaft. Die Weltcup-Gesamtsieger wurden nur von 1998 bis 1991 Weltmeister. Nach der Bert van Manen Rechnung hätten wir die 74. Weltmeisterschaft. In Randers fand aber die 72. WM statt. Hier alle Weltmeister:https://de.wikipedia.org/wiki/Dreiband-Weltmeisterschaft

Message 1/7 - Veröffentlichen in 1. Dezember 2019 19:12 - Edited at 1. Dezember 2019 19:21

Markus
Markus
UMB Quelle
Wikipedia ist hier keine offizielle Quelle, sondern die UMB. Laut UMB sind es inklusive 2019 nun sieben WM Titel.

Message 2/7 - Veröffentlichen in 2. Dezember 2019 06:17

Rüggi
Rüggi
UMB Quelle
1992 und 1993 wurden keine Dreibandweltmeisterschaften ausgetragen! (ganz ohne Wiki)
Es sind bisher 72 Weltmeister gekürt worden.
Manen kennt 74. Einer soll Blomdahl sein, aber wer ist der Andere?

Message 3/7 - Veröffentlichen in 2. Dezember 2019 08:33

Markus
Markus
UMB
1992 war Blomdahl Weltmeister, 1993 war Sang Chun Lee Weltmeister

Message 4/7 - Veröffentlichen in 2. Dezember 2019 08:48

Rüggi
Rüggi
UMB Quelle
Gibt es über diese beiden Veranstaltungen auch Unterlagen? Z.B. Tabellen und Resultate.
Ich bin da sehr interessiert.

Message 5/7 - Veröffentlichen in 2. Dezember 2019 09:04

Carambol50
Carambol50
Torbjörn Blomdahl
Die UMB Zählung ist eindeutig. 72. Weltmeisterschaft in Randers. Laut Bert van Manen, der die UMB Weltmeiterschaften eingetragen hat, war angeblich war auch Sung Chun Lee Weltmeister. War er aber definitiv nicht.

Veröffentlichen in 2. Dezember 2019 09:19

snoopy
snoopy

Veröffentlichen in 11. Dezember 2019 19:37

psbil
psbil
Wenn die Statisktik versagt ...
… könnte jemand evtl. den hoch geschätzten Torbjörn selber fragen … ich wette, er weiß ob er 1992 dabei war und mit welchem Ergebnis …

Schon schlimm, wenn es zu so einem Thema keine überprüfbaren Unterlagen gibt.


ps: Tippfehler im subject nachträglich leider nicht korrigierbar … warum eigentlich nicht?

Message 6/7 - Veröffentlichen in 2. Dezember 2019 11:41 - Edited at 2. Dezember 2019 13:00

bubbaberlin
bubbaberlin
UMB; Fehler
Offiziell oder nicht, auch da sitzen Menschen die Fehler machen.
Ganz offiziell, laut ihren eigenen Unterlagen
http://files.umb-carom.org/Uploads/-1262649950General%20Information.pdf
war dies die 72. WM. Und damit sind die Wiki-Angaben, die im übrigen auf verlässlichen Unterlagen von Dieter Haase und Heinrich Weingartner beruhen, so weit richtig und die Jahre 1992 und 1993 zählen nicht. Die UMB hatte ja schon seit 1988 keine WM mehr ausgerichtet und bis 1991 die BWA-Jahressieger als Weltmeister deklariert, aber eben nicht 1992 und 1993 (warum auch immer!). Warum Herr van Manen diese nun einfach dazu zählt und damit auf 74 (inoffizielle) WM kommt, die „offizielle“ Zählung der UMB ignoriert, bleibt sein Geheimnis. Die UMB könnte jetzt natürlich hergehen und diese BWA-Titel nachträglich anerkennen, dazu müsste sie aber auch ihre eigene Zählung über den Haufen schmeißen. Und ob das nach 27 Jahren passiert ist mehr als fragwürdig. Und wer den Fehler bei der UMB gemacht hat ist auch unklar. Da stimmt bei denen die Buchhaltung nicht.
PS: Außerdem steht im UMB-Artikel: „The 57-year-old has now won his sixth World Championship title after 1987, 1988, 1991, 1997 and 2015.“ Wurde wohl korrigiert! :-)

Message 7/7 - Veröffentlichen in 2. Dezember 2019 14:11 - Edited at 2. Dezember 2019 14:16

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