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Billard Karambol - Dreiband - Bert's column (NED)

Gemischte Gefühle nach dem ersten PBA Turnier

Gepostet von am 23. Juni 2019

Gemischte Gefühle nach dem ersten PBA Turnier

Kozoom

Kolumne von Bert van Manen

Übersetzt von Andreas Volbracht

Ob du dafür oder dagegen warst, ist egal, aber sehen musste man es auf alle Fälle, wie denn nun das  erste Turnier der PBA sich darstellen würde. Für ein paar Leute, die ich kenne, war schon vorher alles klar, sie hatten sich entschieden: Es würde großartig, und jeder, der das nicht so vorhersah, war nur ein Dinosaurier – zu wenig im Kopf, zum Aussterben verurteilt. Ich habe auch Freunde, die nur darauf warteten, ihre tiefe Abneigung bestätigt zu sehen, und nach Gründen zu finden, warum dieser koreanische Luftballon platzen musste. Man musste lange suchen, um einen Menschen mit Geduld zu finden, der sagte: "Wartet´s ab ... schau´n wir mal .".

In den vergangenen Monaten sah sich fast jeder in der Dreiband-Gemeinde gezwungen, Partei zu ergreifen, und in den sozialen Medien gab es verbale Schlachten. Auf Facebook wurde ich von einer Reihe von Leuten "unfriended", weil ich „nicht genug pro-PBA“ war. Solche Dummheiten rauben mir zwar nicht den Schlaf, aber zeigt doch, dass da etwas aus dem Ruder gelaufen ist. 

Wie war das erste PBA-Ereignis? Lass uns zuerst ein paar nicht so wichtige Aspekte genauer anschauen, bevor ich das beurteilen will. Dinge, die neu waren:

Cheerleader, die zwischen den Sätzen rumhopsen? Was kann noch uninteressanter sein? Bringt´s was für´s Billard? Nein, bringt nichts.

Die aufgelockerte Kleiderordnung mit Turnschuhen, Polohemd und Golfhose in allen Farben des Regenbogens. Für mich ist das ok. Wir haben lange genug steif und altmodisch ausgesehen, und unsere Kleiderregeln sind für junge Menschen sicher abschreckend. Wenn ein paar 12- bis 20-jährige zu unserem Sport bringen, indem wir die Fliege ablegen, dann wäre die Belohnung gewiss grösser als das Opfer. Mehrwert für´s Billard? Ja.

Trommelwirbel nach jedem erfolgreichen Punkt? Ich fand es völlig deplatziert. Lasst das Publikum entscheiden, welche Punkte Pflichtübung abzuhaken sind und welchen Jubel und Applaus gebührt. Billardspieler sind Sportler, keine Stand-up-Comedians. Mehrwert für Billard? Nein.

Die neue, längere Verzögerung? Anstatt nur auf und ab zu gehen, gingen sie auf und ab und wieder auf und ab. Ich habe keine Ahnung, was die Absicht davon ist. Wenn etwas nicht kaputt ist, beheben Sie es nicht. Mehrwert für Billard? Nein.

Gehen wir zu ernsteren Geschäften über: dem Format. Es gibt natürlich einen Grund, warum die UMB das festgelegte System im Jahr 2013 aufgegeben hat, und dieser Grund ist die Terminplanung. Wenn ein schneller Spieler einen schnellen Spieler mit 3: 0 schlägt und ein langsamer Spieler am Nebentisch einen langsamen Spieler mit 11: 9 im fünften Satz schlägt, sehen Sie einen Unterschied von zwei Stunden. Dieser reduzierte fünfte Satz (11 statt 15 Punkte) hilft nicht viel. Das ist keine Innovation, es dreht die Uhr zurück.

Dann gibt es diese neue Abbruchroutine. Es sind neun Plätze im Spiel, drei für jeden Ball. Karten werden gezogen, um zu bestimmen, wie die Bälle aufgebaut sind, und Sie können eine Abbruchposition erhalten, die entweder sehr einfach oder sehr schwer ist. Infolgedessen können Sie die Durchschnitte der Spieler in einem Turnier nicht mehr vergleichen, da man alle "einfachen" und die anderen harten Pausen hätte machen können. Mehrwert für Billard? Ich sehe es nicht

Die Doppelpunkte für Rail-First-Shots. Das ist eine schwierige Frage. Einerseits zerstört es jeden möglichen Vergleich mit hohen Auflagen und Durchschnittswerten im herkömmlichen Format, was mich schmerzt. Auf der anderen Seite ermutigt es die Spieler, auf einer stark verteidigten Position einen stylischen Rail-First-Shot zu riskieren und nicht nur "zurück zu verteidigen". Dies ist aus meiner Sicht eine Innovation mit Plus und Minus. Die 2-Punkte-Regel erhöht Ihren Durchschnitt um ungefähr 6%. Das ist beachtlich.   

Der Stream auf You Tube war auf meinem PC hervorragend, aber andere Browser / Anbieter haben möglicherweise andere Ergebnisse erzielt. Schade, dass es keine Möglichkeit gab, den koreanischen Kommentar auszuschalten, ohne das Raumambiente zu verlieren. Der Chat-Bereich war natürlich für Europäer nutzlos. Ich mochte die Wiederholungen aus verschiedenen Blickwinkeln. Mehrwert für Billard? Ja.

Es gibt viel Raum für Verbesserungen für die PBA, wenn es darum geht, das nicht koreanische Publikum zu bedienen. Die aktuelle Website ist ein Albtraum, Ergebnisse und Zeitpläne sind schwer zu finden, wir können keine Namen auf Koreanisch lesen und sie haben es geschafft, uns während der Woche KEINE Spieldurchschnitte mitzuteilen. Ich sprach mit einem PBA-Beamten, der versprach, dass diese Dinge vor der zweiten Veranstaltung behoben würden. Alles in allem hat man den Eindruck, dass diese gesamte Organisation von Koreanern und für Koreaner ist, mit Freds Gesicht auf der Plakatwand, um die "globalen" Ambitionen zu legitimieren.  

Wie hat sich diese Veranstaltung im Vergleich zu einer Weltmeisterschaft entwickelt? In Bezug auf das Preisgeld liegt es in etwa auf dem UMB / Kozoom-Survival-Niveau und ist so viel besser als eine Weltmeisterschaft. Es hatte einen großartigen Gewinner: Filippos Kasidokostas, ein sehr gutes Spiel von Pedro Piedrabuena, und zwei koreanische Enthüllungen: Finalist Kang Min Gu und Bronzemedaillengewinner Oh Sung Uk (2.073 allgemeiner Durchschnitt!). Ist das Turnier damit gleichbedeutend mit einer WM? Nicht einmal annähernd. Der Durchschnittswert für die letzten 32 lag bei 1,485, mit dem 2-Punkte-Vorteil für Rail-First-Shots. Das entspricht (bestenfalls) rund 1.400 pauschal. Sie müssen zwanzig Weltmeisterschaften bis Luxor 2016 zurücklegen, um einen so niedrigen Durchschnitt der letzten 32 zu ermitteln. Ein Tempo zwischen 1.620 und 1.785 war in den letzten Jahren die WC-Norm.

Und muss ich es erwähnen? Bei dieser Tour können Sie nur Geld gewinnen. Für manche wird das ausreichen. Andere werden sagen: "Ich möchte um den Weltmeistertitel kämpfen". Es gibt nur einen Ort, an dem Sie dies tun können: innerhalb des UMB.

Das PBA-Feld ist trotz aller koreanischen Talente die zweite Liga. Es kann sich entwickeln und mehr europäische Top-Spieler anziehen, oder es kann nicht; Ich habe keine Kristallkugel. Mein Fazit vorerst? Die PBA ist derzeit weder Fleisch noch Fisch, sie sichert ihre Einsätze ab. Entweder werden Sie noch ehrgeiziger als bisher, werden zu einer globalen Organisation, schließen einen Vertrag mit UMB / Kozoom, veranstalten Events auf allen Kontinenten und erweitern GEMEINSAM den Weltcup-Zyklus oder geben Sie sich damit zufrieden, Koreaner zu sein. Die erste erfordert große Investitionen und intensive Verhandlungen. Es ist ein Berg, den man besteigen muss. Das zweite ist einfach, aber ich kann sehen, dass das europäische und amerikanische Interesse in diesem Szenario schnell nachlässt. 


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Kommentare

psbil
psbil
wa uns weier bringen könnte ...
Tippfehler: was uns weiter bringen könnte. Sorry. (warum kann man den Titel nicht korrigieren?)

Ich stimme ganz besonders diesem statement zu "Wenn (wir) ein paar 12- bis 20-jährige zu unserem Sport bringen, indem wir die Fliege ablegen, dann wäre die Belohnung gewiss grösser als das Opfer."

Dies ist eine hervorragende Einstellung und sehr zeitgemäße Bewertung der Situation.

Bei uns im Verband wurde auf relativ unterer Ebene stundenlang darüber debattiert und an der Formulierung der Bekleidungsordnung gefeilt und gefeilt, weil man unbedingt auf das penibelste regeln müsse, ob denn eine schwarze Jeans noch eine Stoffhose sei, was Stoff überhaupt für ein Material sei, dass es unbedingt einen Lederschuh bedürfe, wann ein Lederschuh auch wirklich ein Lederschuh sei, ob ein schwarzer Schuh einen farbigen Strich an der Sohle haben dürfe, etc.

Was würden wir insgesamt verlieren bzw. was könnten wir gewinnen, wenn die Strenge bei der Kleiderordnung z.B. erst ab Bundesliga angesetzt würde und darunter etwas mehr Freiheit erlaubt wäre, um für die Nachwuchswerbung abschreckende Nebeneffekte zu beseitigen. ...

Message 1/3 - Veröffentlichen in 24. Juni 2019 21:54 - Edited at 24. Juni 2019 21:56

Nachlaüfer17
Nachlaüfer17
Liberalisierte Kleiderordnung als Fortschritt?
Eine Liberalisierung der Kleiderordnung ist nur auf den ersten Blick der richtige Weg, um 12-20 Jährige zu unserem Sport zu bringen.
Im Snookerbereich kann man vielmehr das Gegenteil beobachten. Junge Menschen begeistern sich für diese Form des Billard und finden es toll, dass man dort nach wie vor wie ein Gentleman gekleidet an den Tisch tritt, wie es einst die britischen Offiziere taten, die den Sport erfanden.
Snooker im T-Shirt ist genauso albern wie Dreiband im Polo-Shirt.
Vielmehr gibt man ohne Not ein Alleinstellungsmerkmal auf.

Veröffentlichen in 25. Juni 2019 21:32

Norbert Roestel
Norbert Roestel
Gute Argumentation
Hallo Nachläufer,

wer auch immer Du bist (schade das sich nicht alle mit ihrem echten Namen anmelden!?), Deine Argumentation ist wirklich gut! Soweit ich weiß, ist für die kommende Bundesliga Saison das Spielen in Polo Shirts erlaubt. Also wird auch hier die Kleiderordnung „modernisiert“. Ist das gut so ?
Insgesamt folge ich deiner Argumentation, allerdings kann es auch auf die Veranstaltung, das Umfeld und auf die Atmosphäre ankommen. Bei WC Turnieren bin ich absolut für Weste mit Fliege! Persönlich empfinde ich teilweise diese Kleiderordnung auch in der 1. Bundesliga fast als unpassend. Das Umfeld passt einfach nicht zu dieser Gentlemans Kleidung. Leider!
Zukünftig sehe ich die flexible Kleiderordnung für die Bundesliga mit sehr viel Zwiespalt. Die eine Mannschaft tritt in Gentlemans Kleiderordnung an, die andere modern mit Polo. Könnte auch komisch aus sehen. Persönlich empfinde ich einheitliche Regelungen als die bessere Aussenwirkung! Im Übrigen gilt das auch insbesondere für die Materialftage. Also Tischtuch u d Kugeln. Bei aller Marktfreiheit sollte man im Auge behalten, wie schwer unser Spiel ist! Wenn nun jeder Verein nach freier Entscheidung sein Spielmaterial wählen könnte, würde das die Leistungen sicherlich nicht verbessern und unser wirklich kompliziertes Spiel nochmals immens erschweren.
Beste Grüße Norbert

Message 2/3 - Veröffentlichen in 26. Juni 2019 00:28

psbil
psbil
Außenwirkung? Offiziere als Vorbild??
Hallo Norbert,
wenn Du von Außenwirkung sprichst, dann sehe ich vor meinem geistigen Auge einen Spieler gesetzten Alters, den ich schon mehrmals bei der DM und dieses Jahr auch bei der EM gesehen habe, und dem permanent der weiße Hemdenschoß zur vorschriftsmäßigen schwarzen Hose heraushängt …

Ein Ausreißer, sicher. Nur ER erzeugt bei DIESEN Veranstaltungen tatsächlich Außenwirkung. Wenn ich aber an BMs oder auch an LMs denke, dann kann ich das Argument der Außenwirkung nicht nachvollziehen, wenn - so wie ich es erlebe - außer den Spielern selber maximal noch ein paar Vereinsmitglieder als Zuschauer anwesend sind.

Deshalb meine ich nach wie vor, dass man bzgl. der Strenge der Kleiderordnung schon differenzieren sollte und könnte.
Wenn man selbst bei Wettkämpfen der unteren Levels gar ein ärztliches Attest vorlegen muss, um einen modernen Sportschuh aus Kunstfaser - die gibt es auch in schwarz, könnten aber eine helle Sohle haben - anziehen zu dürfen, dann halte ich das für übertrieben bzw. nicht zeitgemäß. Offiziere und ihr Gehabe sind längst kein Vorbild mehr in unserer Gesellschaft, jedenfalls glaube ich nicht, dass wir ausgerechnet aus diesem Klientel im Wesentlichen unseren Nachwuchs herbekommen.

Veröffentlichen in 30. Juni 2019 15:21

Markus
Markus
Moderne Kleidung hat auch Außenwirkung!
Die Spieler mit dem Smokinghemd aus der Hose und der zu kleinen Weste kennt jeder. Das ist auch nicht das Problem. Eher vielleicht ein bisschen lustig.

Ich bin auch der Meinung, dass wir uns bei der Spielerkleidung etwas moderner aufstellen sollten. Hemd, Fliege, Weste gehören nicht dazu. Gentleman ist ein Begriff aus dem letzten Jahrhundert oder davor. Auf die Kleidung sollte das sich nicht beziehen, eher auf das Benehmen!

Allerdings sollte man auf die Art und Weise der Oberbekleidung genau definieren und auch gewisse Dinge verbieten. Z.B. Ein Polo mit einer riesengroßen "Camp David" Aufschrift ist eher nicht geeignet.

Ich würde auch die Farbe der Hose liberalisieren. Warum immer nur Schwarz?

Natürlich gilt in Mannschaftswettbewerben, dass alle Spieler eines Teams das Gleiche anhaben. Damit ist auch gemeint, dass es halt nicht vier verschiedene Brauntöne geben darf. Und damit fängt vielleicht auch das Problem an.

Markus Schönhoff

Message 3/3 - Veröffentlichen in 30. Juni 2019 19:45

psbil
psbil
Ein realisitsches Mittelmaß ist angesagt.
Meine Zustimmung, Markus.
Man kann auch unter liberaleren Regeln ordentlich gekleidet sein als nur in schwarz-weiß und ohne damit dem Renommé unseres Sports zu schaden.

Veröffentlichen in 30. Juni 2019 23:30

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